Interview

„Was wir brauchen, ist Individualität, verbunden mit Wirtschaftlichkeit“

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Im großzügigen Büro-Loft von Carsten Pangert hat alles seinen Platz. Überhaupt herrscht hier eine entspannte Konzentration, die sich auch auf das Gespräch überträgt. Als der Projektsteuerer eine Stellwand mit Gebäudeaufrissen herbei holt, kommt allerdings Leben in die Runde. Da geht es um individuelle Lösungen in engen Zeitplänen, große Ideen, die ihre Bodenhaftung im Pragmatischen nicht verlieren dürfen, um viel Geld und noch wichtiger: um das, was Menschen einmal als ihr Zuhause bezeichnen werden.

Vertrauen ist wichtig, wenn man große Projekte gemeinsam realisieren möchte. Herr Pangert, haben die beiden Sie schon einmal hängen gelassen? cp: Nein (lacht). Wir realisieren gerade gemeinsam ein Großprojekt: die Bebauung eines 10.500 Quadratmeter großen Areals im Zentrum von Bonn-Auerberg. 112 Wohnungen und Ladenlokale für den Einzelhandel sollen samt Stadtbibliothek entstehen. Als Manager steuere ich das Projekt seit Dezember 2013. Im April dieses Jahres war schon Baubeginn. Ein sehr eng getakteter Zeitplan. Da war es mir wichtig, verlässliche Architekten schon früh mit im Boot zu haben. So ist die Zusammenarbeit mit Phase 5 entstanden. Und dass sie mich hängen gelassen haben, kann man wirklich nicht sagen. Im Gegenteil. vb: Wir haben innerhalb von drei Wochen die wichtigsten Parameter zusammengezurrt: erste Grundrisse gezeichnet, eine Kalkulation vorgelegt, um den Rahmen einschätzen zu können. Dafür braucht man sonst ein halbes Jahr. mw: Unsere Büros sind nicht allzu weit voneinander entfernt, deswegen kamen wir zügig voran. War ein Entwurf fertig, konnten wir uns schnell zusammensetzen und Details klären. Ich kenne andere Beispiele, da wartet man Wochen, bis man überhaupt eine Eingangsbestätigung bekommt. cp: Als Projektmanager habe ich geprüft, was wirtschaftlich zu realisieren ist, und Phase 5 hat eine individuelle und funktionale Architektur entwickelt. Das ging Hand in Hand. Es schien für einige Wochen, als ob wir zu einer Firma verschmolzen wären, obwohl es natürlich zwei eigenständige Unternehmen sind, die eben für eine Weile als ein Team am Projekt gearbeitet haben. Das Gelände in Bonn-Auerberg lag jahrelang brach. Wieso eigentlich? vb: Es hieß, das Areal sei nicht marktfähig und eine Bebauung wirtschaftlich nicht darstellbar. cp: Es gab jahrealte Pläne laut denen die Fläche zu gleichen Teilen für Wohnraum und den Einzelhandel nutzbar gemacht werden sollte. Hier haben wir angesetzt und entschieden, nur 14 Prozent der Fläche für den Einzelhandel und 86 Prozent für Wohnungen zu gestalten. Am Ende werden im Erdgeschoss vermutlich ein Drogeriemarkt, ein Textilfilialist, eine Stadtteilbibliothek, ein Restaurant und vielleicht eine Bank- oder Postfiliale eröffnet. mw: Es ist ein hufeisenförmiges Gebäude mit drei Geschossen plus Staffelgeschoss an der einen und vier Geschossen an der anderen Seite. In einer Tiefgarage finden bis zu 115 Autos Platz, sodass der Innenhof frei von Parkplätzen bleiben kann, was natürlich die Wohnqualität erhöht. Außerdem sind 305 Fahrradabstellplätze geplant. vb: Die Gärten der Erdgeschosswohnungen sind 80 Quadratmeter groß. Hinzu kommen kleine Terrassen mit Garten zur Straße hin. In den Staffelgeschossen entstehen mehrere Penthäuser mit Dachterrasse. In sie fährt auch je einer der zwölf Aufzüge, denn die gesamte Anlage wird rollstuhlgerecht sein. Baubeginn war im April. Waren Sie angesichts des knappen Zeitplans anfangs angespannt? cp: Bei Projekten dieser Größenordnung ist grundsätzlich eine gewisse Sachlichkeit gefordert. Man hat Etappenziele, auf die man zuarbeitet, hat das große Ganze im Blick. Mit manchen Unbekannten muss man natürlich leben, so ist das nun einmal beim Bauen. Was entstehen soll, sieht man ja lange nur auf dem Papier, in der Planungsphase redet man lange im Konjunktiv. Von daher sind wir sehr froh, dass wir bislang alle Zeitpläne einhalten konnten. In der öffentlichen Wahrnehmung ist man gewohnt, dass das in der Baubranche nicht häufig vorkommt. cp: Ja klar, man denkt gleich an die Elbphilharmonie in Hamburg oder den Flughafen in Berlin. vb: Das sind politisch gewollte Bauten. Architekten und Projektplaner haben die Kosten zwar kalkuliert. Mit der Realität hat das aber nichts zu tun. Vielleicht weil Bürger nicht erfahren sollten, was die Projekte tatsächlich kosten werden. Ich denke, aus dem angloamerikanischen Raum können wir hier viel lernen: Vor Baubeginn prüfen Generalunternehmer und Projektsteuerungsarchitekten alle Parameter. Wenn das solide gemacht ist, haut das auch hin.

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„Mit einfachen Mitteln, aber einer durchdachten Gestaltung ist viel zu erreichen.“

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Wie ist es Ihnen gelungen, dass die Kosten in Bonn nicht aus dem Ruder laufen? CP: Die Kunst besteht darin, die Funktionalität und Qualität der Architektur in Übereinstimmung mit der kaufmännischen Seite zu bringen. Dazu braucht es unheimlich viel Abstimmung, Diskussion und auch Toleranz für Ideen. Wir sehen das beispielsweise an der Fassadengestaltung. Hier gilt der architektonische Anspruch: Die Fassade soll schön sein, ansprechend, nicht monoton und sich möglichst ins Umfeld einfügen. Und gleichzeitig muss sie natürlich auch bezahlbar sein. Also eher eine Standardfassade? CP: Nein, eben nicht. Was wir wollen, ist Individualität, verbunden mit wirtschaftlichem Denken. Ein Architekturbüro muss genau das mit- und in die Gestaltung einbringen. Was wird es denn für eine Fassade? MW: Eine Putzfassade mit geziegeltem Sockel. Für die Räume des Einzelhandels war wichtig, dass wir im Erdgeschoss robuste Materialien verwenden, die nicht aufbröseln oder verwittern und zudem Schutz vor möglichem Vandalismus bieten. Wir haben diesen Wunsch berücksichtigt, ohne das Gesamtkonzept aus den Augen zu verlieren. Als Architekten haben wir ja eine Haltung zu Gebäuden, die wir entwerfen. In diesem Fall haben wir klare Formen und Proportionen im Sinn gehabt. Das Gebäude soll am Ende eine gewisse Selbstverständlichkeit haben, sodass Menschen sagen: Hier wohne ich gerne. Es ging nicht darum, als Architekt hier eine große Show abzufeiern. VB (geht zu den Schaubildern im Büro): Im unmittelbaren Umfeld des Areals sehen wir Fenster, die wie Schießscharten aussehen. Warum macht man da nicht einfach Fenster hin? Das ist völlig aufgeregtes Zeug. Ein Haus ist ja immer noch ein Haus, kein Bunker. Uns war wichtig, mit Mitteln zu arbeiten, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. Wenn man aus dem Fenster guckt, soll man auch etwas sehen können – und möglichst auf Grünflächen gucken. CP: Mit einfachen Mitteln, aber einer durchdachten Gestaltung ist eben viel zu erreichen. Das zeigt sich auch an einem weiteren Detail: Bei den Räumen des Einzelhandels haben wir im Erdgeschoss eine Deckenhöhe von 4,60 Metern, beim Wohnen aber nur 2,65 Metern. Um den Höhenunterschied auszugleichen, haben wir die Erdgeschosswohnungen etwas angehoben. Das bringt den Vorteil mit sich, dass die Vorgärten leicht über Bodenniveau erhöht sind, sodass die Passanten einem nicht beim Grillen zuschauen können. Zum anderen befinden sich die vertikalen Linien durch die Anhebung gegenüber den Einzelhandelsbüros. So ist die Anmutung des gesamten Gebäudes ruhig und ausgewogen. MW: Noch ein Beispiel für etwas, das eigentlich Selbstverständlich sein sollte, aber es längst nicht ist: Alle Wohnzimmer und Küchen sind zum Marktplatz ausgerichtet, schützenwerte Bereiche wie Kinder- und Schlafzimmer nach hinten zum Innenhof. CP: Letztlich haben die Architekten und ich als Projektsteuerer trotz unserer unterschiedlichen Blickwinkel einen gemeinsamen Anspruch. Wir wollen zusammen Projekte realisieren, bei denen man hinterher sagen kann: Mensch, das ist ein schönes Haus, darin lässt es sich gut leben. Und schaut mal her, das haben wir gebaut. Neben der Wirtschaftlichkeit ist das ein ganz entscheidender Aspekt unserer Arbeit.

_MG_5362_DXO Carsten Pangert, 44, ist Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus Düsseldorf, welches u.a. als Projektentwickler agiert und Bauprojekte in der Funktion des Bauherrenvertreters managt. Der Immobilenökonom (bak) war u.a. zuvor Portfoliomanager bei der REDEVCO Services Deutschland GmbH sowie Geschäftsführer bei der Lührmann Asset- und Propertymanagement GmbH.